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Das Leben von
Imam Hussein (a.s.) ist voller unvergänglicher Botschaften [1]

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, der Erbarmers
Immer wenn man Imam Hussein (a.s.) gedenkt, erinnert man sich an Kerbela und immer wenn man Kerbela gedenkt, erinnert man sich an
Imam Hussein (a.s.) und damit auch an Aschura. Diese enge
Verbindung rührt daher, dass in diesem Ort und zu dieser Zeit
Imam Hussein (a.s.) und seine Gefährten mit ihrer beispiellosen
und einzigartigen Botschaft in die Geschichte eingingen. Diese
Botschaft sprengte alle Dimensionen, insbesondere die
prinzipielle, die Imam Hussein (a.s.) durch seine Aussagen und
Handlungen und auch in allen Phasen seines gesegneten Lebens
verkörperte. Aber auch die emotionale Dimension wurde durch das
Leid gesprengt, wie aus einer Überlieferung von Imam Redha
(a.s.) entnommen werden kann: „Der Tag Imam Husseins
(a.s.) verwundete
unsere Augenlieder und ließ unsere Tränen fließen und demütigte
unseren Liebsten, im Land des Kummers (Karb) und der Plage (Bala’),
und hinterließ uns den Kummer und die Plage bis zum Tage des
Gerichts, so sollen über so jemanden wie Imam Hussein (a.s.) die Weinenden
weinen.“
Eine Botschaft, die mit Heldentum und den höchsten menschlichen
Prinzipien in der Tragödie von Kerbela glänzt, bürgt für ihren
Helden die Unvergänglichkeit, weil der Mensch durch sein
hinterlassenes Werk in Erinnerung bleibt und so quasi
weiterlebt. So sehen wir, wie al-Hurr ar-Riyahi (Gott möge an
ihm Wohlgefallen haben) sein Leben im Dienste der Tyrannen
verbrachte, doch er hielt für einen Moment inne und dachte über
den Ausgang seiner Sache nach und stellte sich selbst vor die
Wahl, einerseits zwischen dem Paradies, welches von den
Gefährten Imam Husseins (a.s.) geschätzt wurde, und dem Martyrium
zwischen den Händen Imam Husseins (a.s.) und zwischen der Hölle
andererseits, die die Konsequenz für das Vermögen der Bani
Ummayia und ihres Scheinwohls wäre, und er entschied sich
ausschließlich für das Paradies.
Ein anderes Beispiel ist Wahab bin Habab al-Kalbi, ein Anhänger
der christlichen Religion, der nichts über den Islam wusste,
doch haben ihn der Charakter des Imam Hussein (a.s.) und sein
erhabenes Wesen so in den Bann gezogen, dass er sich ihm
anschloss, durch ihn zum Islam konvertierte und für ihn kämpfte,
bis er als Märtyrer fiel.
Und da gibt es noch Zuhair bin al-Qain, der mehr zu Uthman
tendierte und weit entfernt von den Ahlul-Bait (a.s.) war, doch
wenige Worte von Imam Hussein (a.s.) erfüllten sein Herz, seinen
Verstand und seinen Geist, und so hing er an Imam Hussein (a.s.) und
begleitete ihn bis er sein Ende als Märtyrer fand.
Auch John, der ein schwarzer Sklave und Schutzbefohlener von Abi
Thar al-Ghifari war, dem Imam Hussein (a.s.) in der Nacht des
10. Muharram die Erlaubnis gab zu gehen und ihm sagte: „Du bist
uns zu deinem Wohl gefolgt“. Doch John wollte, dass sein Blut
sich mit dem Blut der ehrwürdigen Herren von den Nachkommen des
Propheten (saw) vermischt, und so kämpfte er bis er als Märtyrer
fiel und Imam Hussein (a.s.) zu ihm kam, sich auf ihn niederwarf und
Gott darum bat, ihn zu ehren und mit dem Propheten und seiner
Familie (Gottes Segen sei mit ihnen allen) zusammenzubringen.
Diese Menschen blieben nur durch ihre Bekenntnis zu Imam Hussein
(a.s.) in Erinnerung, doch aufgrund seiner Größe war er selbst
genug für ihre Unvergänglichkeit.
Sie verschafften sich einen Platz in der Geschichte durch diesen
Beistand und nicht durch die Anzahl ihrer erlegten oder
bekämpften Gegner oder dergleichen. Diese Tatsache sollen auch
jene verstehen, die die Menschen anzweifeln, welche die Vorzüge
von Imam Ali (a.s.) aufzählen, wie z.B. als er (a.s.) Amr bin
Wid in der Schlacht von al-Chandaq und Marhab schlug, und
vorbringen, dass Antara bin Shedad sich ebenfalls Ebenbürtigen
und tapferen Gegnern stellte. Diese Menschen verstehen nicht,
dass die Größe eines Menschen in seiner Botschaft liegt und
derjenige, der sie gibt, erzeugt die historischen Einschnitte,
weil sie den Schlüssel dazu bildet, so wie eine Armee eine
strategische Straße einnimmt oder eine fatale Lücke bei ihrem
Gegner ausnutzt und ihn besiegt.
Und wenn eine Botschaft wie der Tag Kerbela ausreichend für die
Unvergänglichkeit ist, so ist das Leben Imam Husseins (a.s.) voller
Botschaften, und der Tag Kerbela ist nur ein Tag aus seinem
ehrwürdigen Leben, das sich für 57 Jahre erstreckte. Schon als
Kleinkinder gingen er und sein Bruder Imam Hassan al-Mujtaba
(a.s.) mit ihrem Vater, dem Fürst der Gläubigen (a.s.) in die
Moschee ihres Großvaters, dem Gesandten Gottes (saw), und hörten
ihm (saw) zu und bekamen mit, was ihm offenbart wurde, woraufhin
sie zu ihrer Mutter Fatimata az-Zahra’ (a.s.) eilten und ihr die
Offenbarung mitteilten. So lebten sie bis ihr Großvater und ihre
Mutter (Gottes Segen sei mit ihnen) verstarben. Sie bezogen
ebenfalls Stellungen zu jenen, die das Recht ihres Vaters
zertrampelten, indem sie gegen diese unrecht Handelnden
deutliche Beweise und Argumente erbrachten.
Imam Hussein (a.s.) war bei jeder Schlacht von Amir al-Mu'minien
(a.s.) dabei und in jeder Phase seines Lebens, bis Ali (a.s.) in
der Moschee von Kufa während seines Gebets mit dem Schwert
erschlagen wurde, und er leistete seinem Bruder Imam Hassan
(a.s.) Beistand und Gesellschaft und verteidigte ihn bis dieser
(a.s.) den Märtyrertod starb. Er und sein Bruder Hassan (a.s.)
waren bekannt für ihre Großzügigkeit und ihrer reichlichen
Gaben, mit denen sie ihre Empfänger bereicherten, auch
unterstützte er sehr häufig Familien, die ihr Oberhaupt in den
Schlachten gegen Amir al-Mu’minien (a.s.) verloren, die viele
Leben kosteten.
Ferner hatte er einen wissenschaftlichen Kreis für die
Interpretation des Korans in der Moschee des Propheten (saw)
gebildet, in dem er Fragen beantwortete, die den angesehensten
Gefährten des Propheten schwer fielen, wie z.B. die Frage eines
Mannes nach der Interpretation der Aussage Allahs (swt)
„waschahidin wamaschhud“ (und Zeuge und bezeugt).
Für die Sache Allah’s fürchtete er kein Tadel eines Tadlers und
sagte das Wort der Wahrheit und des Rechts im Angesicht des
Tyrannen und der Ungerechten. In seinem an Mu’awiya gerichteten
Brief, als dieser die loyalen Gefährten des Propheten (saw) und
Amir al-Mu’minien (a.s.) und Hujr bin Udai al-Kindi und Umar bin
al-Hamq al-Chuza’i tötete, erwähnte er die schlechten
Eigenschaften Mu’awiyas [2] und seiner Familie und warnte ihn vor
den Konsequenzen seiner Taten. Was Imam Hussein (a.s.) jedoch davon
abgehalten hat, gegen Mu’awiya in den Kampf zu ziehen, war seine
Verpflichtung, sich an das Papier zu halten, die sein Bruder
Imam Hassan (a.s.) mit Mu’awiya zur Beendigung des Kampfs
unterschrieben hatte, von dem Mu’awiya letztendlich nichts
eingehalten hat.
Nach dem Tod seines Vaters Mu’awiya nahm Yazid die Sache
der Muslime in die Hand. Imam Hussein (a.s.) leistete dagegen
Widerstand und lehnte den Gehorsam gegenüber den Arglistigen ab
und zog einen Kampf der Ehrwürdigen vor: „Beharrt denn nicht der
großsprecherische Sohn des Großsprecherischen zwischen zwei
Dingen: Zwischen dem Zucken des Schwertes und der Demütigung und
weit von uns entfernt ist die Demütigung, Gott und sein
Gesandter lehnen es für uns ab und die Schöße, die vornehm und
rein wurden und die Seelen, die sich verweigern den Gehorsam der
Arglistigen dem Kampf der Ehrwürdigen vorzuziehen.“
Er (a.s.) war liebevoll und mitleidig in seinem Wesen und
angenehm im Verkehr mit den Menschen. Seine Barmherzigkeit
umfasste sogar seine Mörder, um die er aus Mitleid weinte, weil
sie aufgrund seiner Tötung ins Feuer gehen.
Beim Geben überhäufte er die Menschen auf Bitte und ohne Bitte
hin und zeigte sich nicht dem Bittenden, sondern gab ihm von
hinter der Tür, und erklärte dies damit, dass er nicht in sich
den Stolz des Gefragten und in den anderen die Demut der Bitte
sehen wollte.
Die Menschen scharten sich um ihn und liebten ihn, so dass der
Tag, an dem die Menschen in Medina die Nachricht von seinem
Martyrium erhielten wie der Tag empfunden wurde, an dem der
Gesandte Gottes (saw) verstarb, weil die ganze Stadt Medina
mitsamt ihrer Bewohner aufgrund dem Verlust von Imam Hussein
(a.s.) von
tiefer Trauer geprägt war. Sogar Marwan bin al-Hakam, der den
Ahlul-Bait gegenüber feindlich gesinnt war und dessen Herz so
hart wie Stein oder noch härter war, begab sich ebenfalls zum
Baqi’, wo Ummal-Banin, Ehegattin des Amir al-Mu’minien, und
Ummal-Abbas und seine Geschwister anwesend waren, und hörte dort
dem Weinen und Klageliedern zu und weinte dann mit ihnen, laut
Abul-Faraj in seinem Buch „Die Getöteten von Bin Abi Talib“
(Maqatel at-Talibiyin).
Imam Hussein (a.s.) war bescheiden, begab sich unter die Menschen,
saß und aß mit den Sklaven, ging zu Fuß von Medina nach Mekka
(480 Km) und vollbrachte 20 Pilgerfahrten zu Fuß. Vornehme
Pferde führte er mit sich zum Tragen der Kraftlosen und
Schwachen zu Ehren der Kaaba und aus Demut gegenüber Allah. Er
vermied es, die Hauptstrasse auf seiner Pilgerreise zu nehmen,
aus Angst dass sich die Menschen um ihn sammeln, ihn
verherrlichen und durch ihn ihren Segen erlangen wollen; er
(a.s.) sagte: „Ich möchte nicht vom Gesandten Gottes mehr nehmen
als dass ich ihm gebe“
Und was seine Kenntnis von Allah anbetrifft, so ist er der Herr
der Kenner und Sohn des Herrn der Kenner. Von seinem vornehmen
Bittgebet am Tag Arafa lernen die stolzen Kenner, wie er zu
seinem Herren anflehend spricht: „Wie soll sich jemand zu Dir
leiten lassen, der in seinem Dasein Dich bedarf, gehört denn
jemand anderem das Erscheinen, was nicht für Dich ist, damit
dieser Dich zeigt, wann warst Du denn abwesend, damit Du einen
Hinweis brauchst, der auf Dich hinweist, und wann hast Du Dich
denn entfernt, damit die Zeichen zu Dir führen, verblendet sei
das Auge, das Dich nicht als ihren Aufpasser sieht, und verloren
sei das Geschäft eines Untergebenen, dem Du keinen Anteil von
Deiner Liebe zukommen lässt“ und dann ruft er seinen Herren an,
während das Unglück auf ihn herab fällt und er seine Liebsten,
seine Kinder und seine Brüder nacheinander verloren hat: „Oh
Allah, wenn dies zu Deiner Zufriedenheit ist, so nimm bis Du
zufrieden bist, und Dir gebührt das Tadeln, oh Herr“.
So glänzten alle Tage von Imam Hussein (a.s.) mit Größe,
Vornehmheit, Erhabenheit, tugendhaften Charaktereigenschaften,
Tapferkeit, Heldentum, Großzügigkeit, Stolz, und der
Rechtleitung zum Glück und zur Vollkommenheit. Alsdann soll sich
ein jeder aus dem Buch Imam Husseins (a.s.) und von allen Tagen
Imam Husseins (a.s.) all diese Ruhmestaten schöpfen, auch wenn nur
der Tag der Tragödie von Kerbela allein ausreicht, weswegen
dieses berühmte Wort gesagt wurde: „Die Tafel Imam
Husseins (a.s.) ist
umfangreich“, weil jeder, der nach Vollkommenheit und Größe in
all ihren Aspekten strebt, sie im Buch Imam Husseins (a.s.) findet.
Gruß an Imam Hussein (a.s.), und an Ali bin al-Hussein (a.s.), und an die Söhne
Imam Husseins (a.s.) und an die Gefährten Imam Husseins (a.s.)
und Allahs Barmherzigkeit
und Segen sei mit ihnen.
Mohammed al-Yaqoobi – Heilige Stadt Nadjaf
7. Muharram 1430
04.01.2009
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[1] Ein
Artikel geschrieben von Shaikh Yaqoobi auf Wunsch der deutsch-,
englisch- und türkischsprachigen Leser der Marjiya-Seite
[2] Darin heißt es unter anderem: „Bist du nicht der Mörder von Hajr bin
Udai, der Bruder von Kanda? und von den Gott ergebenen Betenden,
die Tyrannei missbilligten und Freveltaten als schwerwiegend
ansahen und für die Sache Allahs kein Tadel eines Tadlers
fürchteten, doch hast du sie getötet aus Tyrannei und
Feindseligkeit, nachdem du ihnen einen Eid geleistet hast und
schriftliche Versprechen, dass du sie keinem Ereignis zischen
dir und ihnen beschuldigst und aufgrund keinem Hass, den du in
dir hegst, sie tötest“, und weiter: „Hast du nicht Amr bin
al-Hamq, dem Gefährten des Gesandten Gottes (saw), getötet,
jenen aufrichtigen Untergebenen, der soviel betete, bis sein
Körper abgezehrt war und sein Gesicht gelb wurde, nachdem du ihm
Sicherheit garantiert hast und Gottes Versprechen und Verträge
ihm gabst, hättest du diese einem Vogel gegeben, wäre er zu dir
vom Berg herabgestiegen, doch dann hast du ihn getötet und hast
die Grenzen deines Herren überschritten und dieses Versprechen
unterbewertet.“
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