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Was Imam Al-Mahdi (a. s.) von seinen
Anhängern erwartet [1]

Ich erflehe den Schutz Allahs, des
Allhörenden und Allwissenden, gegen den gesteinigten Satan. Im
Namen Allahs, des Allerbarmers und Allbarmherzigen. Gepriesen
sei Allah, der uns dahin leitete, wo wir uns (jetzt)
befinden, und ohne ihn wir nicht rech geleitet werden. Fürwahr,
die Gesandten unseres Herrn haben die Wahrheit gebracht. Aller
Segen und Friede seien auf Allahs Meistgeliebten, nämlich
Muhammad (s. a. w. a.), dem bevorzugten Propheten, und auf
seiner reinen und makellosen Familie.
Während dem vergangenen Zeitalter wurde immer
wieder die folgende Frage gestellt. Was ist der Grund für die
Verzögerung der Ankunft von Imam Al-Mahdi (a. s.), um die Erde
mit Gerechtigkeit und Gleichheit zu erfüllen, da er mehr noch
als jedes andere Lebewesen auf dieser Welt darauf wartet, die
göttliche Erlaubnis zu bekommen, um die (unterdrückte)
Menschheit von Ratlosigkeit, Abweichung vom Richtigen,
Verwirrung und der Götzenanbetung zu befreien und aus der
Ungerechtigkeit, Verfolgung und Benachteiligung zu erlösen?
Wenn jeder einzelne auf dieser Erde in seinem
oder ihrem Gewissen auch nur etwas Wut und Zorn gegen
Ungerechtigkeit aufbringt und davon beseelt ist, dass ein Wandel
stattfinden muss, dann wird dies das Herz von Imam Al-Mahdi (a.
s.) überfließen wegen der Gesamtheit solcher Gefühle, die aus
den Herzen aller Menschen kommen, denn dies ist ein lobenswertes
und positives Gefühl.
Nach unserem Glauben werden die positiven menschlichen
Eigenschaften wie Wissen, Barmherzigkeit und Großzügigkeit im
Zeitalter des erwarteten makellosen Imams mächtiger wirken. Wenn
es denn so ist, worauf richtet sich dann aber diese Erwartung
(von Imam Mahdi an uns)?
Normalerweise antworten wir dann, dass eine
der Voraussetzungen, von denen die Wiederkehr des erwarteten
Imams abhängt die ist, dass die Menschen wieder zum Islam
zurückkehren müssten und ihn auf ihr Leben und ihre Aktivitäten
anwenden, wenn sie vom Versagen aller irdischen Systeme - sie
gleichberechtigt zu verwalten (w. beherrschen) - überzeugt sind
und wenn sie gewiss sind, dass der einzige Weg zu Glückseligkeit
und menschlicher Vollkommenheit der Weg der Umsetzung der
göttlichen Gesetze in die Praxis ist, vor allem im Irak, weil
dort der Hauptsitz von Imam Al-Mahdis (a. s.) globaler Regierung
und der Ausgangspunkt seiner gesegneten Bewegung erwartet wird.
[Wir pflegen dann auch zu sagen:] Diese
Bedingung ist erfüllt und die ganze Welt bezeugt, dass der Islam
und seine Gelehrten das irakische Volk befehligen. Selbst die
hartnäckigen Säkularsten und Atheisten holen sich [doch] bei den
höchsten religiösen Autoritäten Rat und vermeiden jegliche
Provokation oder Streit. Um es in einem zu sagen wurde
anscheinend dieses Stadium innerhalb der Phasen, die den Weg der
Wiederkehr von Imam Al-Mahdi bilden, mittlerweile doch erfüllt.
Dann gelangten wir in eine neue Phase der
Erziehung (in der Erwartungskultur des Imam) und in der
göttlichen Prüfung (um zu sehen, ob wir die Segnungen des Imams
verdienen oder nicht), und behaupteten, dass der erwartete Imam
will, dass sich die Muslime bis zur vollkommenen
Selbstaufopferung für ihre Religion erheben, damit sie nämlich
dann keine Schwächen mehr zeigen würden, wenn sie Befehle
ausführen, die ihnen von der höchsten religiösen Autorität aus
ihrem Selbstverständnis als Stellvertretung des sündlosen Imams
erteilt würden, auch wenn ein solcher Befehl ihren Tod bedeuten
würde.
Dazu diente uns als Beispiel die Geschichte
eines Mannes aus Khorassan (eine Provinz im nord-östlichen
Persien), der den Imam Sadiq (a. s.) zum politischen Handeln
aufforderte, um endlich die Verfolgung durch die tyrannischen
Herrscher der Umayyaden- und Abbasiden-Dynastie zu beenden und
dabei behauptete, dass hunderttausend Krieger in Khorassan nur
darauf warteten, sich an der Mission des Imams zu beteiligen.
Überrascht von diesem Vorschlag antwortete
der Imam: "Gibt es wirklich hunderttausend Schwerter in
Khorassan, die bereit sind meinetwegen aus der Scheide gezogen
zu werden?" - "Ja, die gibt es", antwortete der Mann aus
Khorassan und fügte hinzu: "und noch zweimal mehr!"
Um diesen Mann zu prüfen und ihm die Wahrheit
zu zeigen, wies der Imam seine Bediensteten an, den Backofen (im
Orient meist kugelartig in der Erde eingegraben) anzuheizen und
forderte den Mann dann auf, selbst hineinzuspringen. Natürlich
verweigerte der Mann das. Inzwischen war Abu Hirun der Blinde
hereingekommen, einer der engsten Gefährten des heiligen Imam.
Der Imam forderte diesen auf, da hinein zu springen, was jener
auch sofort tat. Dann begann der Imam dem Mann aus Khorassan
viele Fragen zu stellen, der noch ganz schockiert war von der
Handlungsweise von Abu Hirun. Da(bei) fragte ihn der Imam: "Wie
viele Leute habt ihr in Khorassan wie diesen?" Der Mann
antwortete: "In der Tat, Sohn des Gesandten Gottes, haben wir
keinen!" [2]
Für euch alle, ihr begeisterten, engagierten
Jugendlichen, die ihr von Kopf bis Fuß voll des Glaubens und
harte Männer seid, die bereit sind zu tun, was Abu-Hirun getan
hat, gebe ich also die Antwort auf die Frage des Imams an den
Mann aus Khorassan: "Ja, wir tun es, Sohn des Gesandten Gottes!
Es gibt Tausende von Jugendlichen, die dich ganz sicher erfreuen
werden, wenn du sie bittest das zu tun, was Abu-Hirun getan
hatte. Ohne jeden Zweifel sehnen sich diese Jugendlichen danach
ihre Seelen um deinetwillen zu opfern, wie sich ein Baby nach
der Mutterbrust sehnt. Wir haben ihre Geduld, Standhaftigkeit
und ihre aufrichtige Loyalität zu dir getestet, als ihre Brüder
statt ihrer Feinde soziale Brände gegen sie in Form von
Verleumdungen, Verunglimpfungen, Schmähungen, falschen
Anschuldigungen, Fälschungen und übler Nachrede entfachten, die
ganze Berge einhüllten und stärker brennen als natürliches
Feuer. [3] Trotzdem haben sie standhaft gehandelt, sie
vermehrten nichts als den Glauben und Hingabe und sie
antworteten mit nichts anderem als mit dem Wort "Frieden!", weil
sie sich schon immer an die göttliche Erziehung hielten."
Kommen wir jetzt auf die zugrunde liegende Frage zurück:
Worauf wartet der Imam denn?
Bei der Beantwortung dieser Frage und dem
Aufzeigen, worauf der erwartete Imam wartet, geht es uns nur
darum, unsere Pflicht während dieser Phase der Verborgenheit und
die Dinge, die einzuhalten wir verantwortlich sind, kennen zu
lernen, um den Weg zu ebnen und uns selbst für die gesegnete
Ankunft des heiligen Imams vorzubereiten. Zuvor ist es notwendig
sich zu vergegenwärtigen, dass die oben wiedergegebene
Darstellung des Niedergangs unserer Nation auf ein solch tiefes
Niveau noch (lange) nicht das Ende der göttlichen Prüfung und
auch nicht das Schließen der Akte jener Stufen der
(gesellschaftlichen) Entwicklung (w. Erziehung; Bildung)
bedeutet, da ein solches Gefühl schon als erstes Zeichen des
Scheiterns und der Verschlechterung gilt, denn es hat (Selbst) Einbildung
und Selbstüberschätzung zur Folge, wohingegen wir doch aber zu
ernsthaftem Handeln verpflichtet sind, weil wir ansonsten den
erwarteten Erfolg nicht gewährleisten und auch nicht mehr jedem
Versuch der Niedermachung (w. Niedergangs), der
Rückwärtsentwicklung, der Abweichung bis hin zum Verlust der an
sich schon von den wahren Gläubigen durch die Hilfe Allahs des
Allmächtigen und durch vernünftige Fortschrittsbemühungen
erreichten Stufen der Vollkommenheit erfolgreich begegnen
können.
Gemäß einigen Überlieferungen sieht der
Mensch dereinst hohe Stufen im Paradies und sehnt sich danach,
dass es seine wären. Dann wird ihm gesagt, dass jene Stufen auch
tatsächlich für ihn vorgesehen waren, wenn er bestimmte Arten
der Gottesanbetung stetig praktiziert hätte, wie das regelmäßige
Zitieren einer bestimmten Sure des heiligen Qurans, er jedoch
diese hohe Position verlor, als er dies verabsäumte.
Die heiligen Imame haben uns [nicht
vergeblich] vor dem Satan und vor der dem Bösen zugeneigten
Seele (Nafs) gewarnt. Diese beiden Elemente, hören nicht auf,
den Ungehorsam gegen Allah - was im weiteren Sinne auch die
Vernachlässigung der Gehorsamsakte gegen IHN bedeutet (w. zur
Folge hat) - in den Augen der Menschen so zu verschönern, dass
es sogar bis zum Lebensende wirkt. In seiner gegenwärtigen
Ausdehnung und der Verschiedenartigkeit der Mittel und Werkzeuge
der Korruption und Irreführung, wurde dieser Prozess noch
effektiver.
Dieser Punkt muss wahrlich sehr ernst
genommen werden. Wenn die Leute einen gewissen Grad an
Vollkommenheit erreichen, darf sie das nicht davon abhalten,
ihre Handlungen (ständig) zu überprüfen, und sich anzustrengen,
diese Stufen zu erhalten und hart daran zu arbeiten, das noch
Bessere zu erreichen. Beim Sport ist es ja auch viel
schwieriger, den ersten Platz zu behalten als ihn zu erlangen.
Zurück zur Beantwortung der Frage - der neue
Stand bei der Erziehung steht für die Stufe des Bewusstseins und
des Aufbaus - der Selbstbildung und des sozialen Aufbaus nach
den Gesetzen Allahs. Leider hat die letzte Phase, die dem
Zusammenbruch des verfluchten Saddamregimes folgte, das Versagen
der Leute in der ihnen auferlegten Prüfung gezeitigt. Während
dieser Phase haben solch unwünschenswerte Dinge wie Ignoranz,
Naivität, Fanatismus, Neigung zu emotionalen und passiven
Verhaltensweisen und das Fehlen wahrer Führerschaft die Mehrheit
davon abgehalten, auch nur die offensichtlichsten
Bewertungskriterien zu erfüllen. Ähnlich haben auch die
bestehenden [mangelhaften] Möglichkeiten religiöse, soziale,
politische und Verwaltungspositionen einzunehmen eine große
Rolle dabei gespielt, die moralischen Krankheiten ans Licht zu
bringen, die im inneren Selbst verborgen waren. Das bedeutet
nicht, dass solche Krankheiten nicht vorhanden waren und die
davon Betroffenen sich davon befreien konnten, eher hatten sie
erst keine Chance, sie auszuleben, als sie aber ein
Betätigungsfeld zum Ausleben dieser Krankheiten hatten, zögerten
sie nicht damit.
Daher hat gegenseitiger Neid, Hass, Egoismus,
Anmaßung, Arroganz und Bruch [geheiligter] Beziehungen in einem
Maße zugenommen, das sogar das Ausmaß der Verübung der
schlimmsten Ungehorsamstaten gegen Allah überschritt, was Allah
mit dem Höllenfeuer bedroht. Als Folge haben wir wahrgenommen,
dass Vorbeter in den Lügensumpf gefallen sind, indem sie wahre
Gläubige verleumden und beschimpfen. Könnten die Islamisten, die
seit Jahrzehnten daran wirken, den Islam herrschen zu lassen, an
die Macht kommen, dann hätten sie nicht eine islamische
Errungenschaft gebracht und in ihren Taten können wir keine Spur
islamischer Moralvorstellungen erkennen und sie würden diese
Möglichkeit auch nicht dazu genutzt haben, um Gerechtigkeit zu
verbreiten, den Unterdrückten zu helfen, Ungerechtigkeit
aufzuheben und die Korruption zu beenden. Stattdessen begingen
sie die gleichen Fehler und hatten kein anderes Interesse, als
ihre Ämter zu behalten.
Aufgrund von Fehlverhalten, weltlichem Begehr
und Vernachlässigung von Allah, dem Allmächtigen, sind große
Persönlichkeiten gefallen und die Leute wurden verwirrt, sind
Unbeständigkeit und Unordnung ausgeliefert und die
Separationsbemühungen (aufrührerischen Angelegenheiten) hätten
fast den Bestand der [islamischen] Gemeinschaft gefährdet, die
von den heiligen Imamen und rechtschaffenen Gelehrten mit ihrem
Blute, ihren Bemühungen, ihrem Kampfe und ihrem Opfer aufgebaut
wurde - wäre es nicht wegen der göttlichen Gnade und des Segens
der Anwesenheit einiger Gerechter und bewusster Menschen, die
die Grundlagen und den Bestand der Wahrheit bewahren und vor dem
Untergang schützen konnten, der sich schon abzeichnete.
Liebe Leute! Obwohl sie schrecklich sind - es
sind die Lehren, die wir in der gegenwärtigen Lage ziehen und
sorgsam untersuchen sollten, damit wir eine Heilung bewirken
können, die alle Hindernisse beiseite räumt, die der erwarteten
Ankunft des heiligen Imams entgegenstehen. Doch wir haben noch
zwei weitere Prüfungen oder Gelegenheiten zu bestehen, in denen
wir unser Bemühen unter Beweis stellen und in den beiden
Herausforderungen der Persönlichkeitsbildung und des
Sozialaufbaus vorankommen können.
Die erste Gelegenheit ist die Ankunft des
gesegneten Monats Ramadan, der tatsächlich eine großartige
Möglichkeit darstellt, um die Selbstvervollkommnung und die Nähe
zu Allah dem Allmächtigen zu erlangen. O Geschwister im Glauben!
Wir sind nicht vergebens auf diese Welt gekommen! Und unsere
Seelen sind nicht von der höchsten Welt herab gesandt und in
unsere Körper getan worden, damit wir noch tiefer herabsinken.
Ganz im Gegenteil - der Zweck besteht darin, dass wir uns
erheben und im Maß der Vollkommenheit zunehmen. Allah, der
Allmächtige, hat gesagt: "Ich erschuf die Jinn und die
Menschheit nur zu MEINER Anbetung" (51:56)
In diesem heiligen Vers sagt Allah, dass der
Zweck der Erschaffung dieser Wesen darin liegt, dass sie IHN
erkennen und IHN dann zu ihrem eigenen Heil anbeten sollen, weil
ER, Der Allmächtige, zu all-unabhängig ist, um Seine Geschöpfe
zu benötigen. Um diesen Zweck zu erreichen, offenbarte ER ihnen
eine vollkommene, unsterbliche Verfassung, um sie zur wahren
Rechtleitung zu führen und sandte ihnen einen edlen,
umgänglichen und barmherzigen Propheten und (mit den heiligen
Imamen) unfehlbare Führer der Rechtleitung, um ihnen zu
erklären, was zu ihnen herab gesandt worden war.
Allerdings weiß Allah, dass dies für die
Mehrheit seiner Geschöpfe nicht ausreicht, um die hohen Stufen
zu erreichen, da ihre Seelen schwach sind und dazu neigen, ihren
persönlichen Instinkte und Begierden zu folgen und der
Verführung unterliegen würden. Daher gewährte Er für sie
bestimmte Stationen zur Beschleunigung dieses Prozesses der
Selbstvervollkommnung. Wer also Gebrauch von diesen Stationen
macht, wird Abkürzungen auf dem Weg zu Allah, dem Allmächtigen,
finden, von denen einige das an einem Tage erreichen lassen,
wozu andere ein Jahr benötigen. Einige dieser Stationen sind
zeitbezogen, wie der Monat Ramadan, Donnerstagabende, Freitage,
die Nächte in der Mitte vom Monat Scha'ban, die Nächte in
'Arafat, die Nächte der beiden Feste ('Id) und andere bedeutende
Tage und Nächte des Jahres. Andere Stationen sind ortsbezogen,
wie Moscheen und Heiligtümer. Noch andere Stationen sind
handlungsbezogen, wie die Versammlung der Muslime zum
Freitagsgebet, den Gemeinschaftsgebeten, den Sitzungen zum
Gedenken des Martyriums von Imam Hussein, den Versammlungen zum
Regengebet und Ähnlichem.
All diese Veranstaltungen sollten bestens
genutzt werden, genauso beharrlich wie die gemeinschaftliche
Verrichtung aller vorgeschriebenen Gebete in den Moscheen,
besonders beim Gebet zur Morgendämmerung (Fajr). Dies fällt
insbesondere während des Monats Ramadan leichter, weil die
Gläubigen in der Regel zu dieser Zeit schon wach sind, um zu
frühstücken und zu beten.
Ein westlicher Forscher soll gesagt haben: "Wenn Sie die
wirkliche Macht der Muslime sehen wollen, schauen Sie sich ihre
Beharrlichkeit an, mit der sie die Morgengebete
(gemeinschaftlich) in den Moscheen verrichten."
All diese Stufen können auch durch Gedenkveranstaltungen und
Gottesdienste, durch Predigten, Rechtleitungsgespräche und durch
Vorlesungen über das Leben von Ahlul Bayt zur Erlangung von Herz
und Mitgefühl und besonders mit jedem Gottesdienst während des
Ramadans erreicht werden. Unsere rechtschaffenen Vorfahren haben
sich insbesondere systematisch darum bemüht, dem Ramadan als
auch seinen Nächten, besonders den letzten zehn und den
machtvollen Nächten Rechnung zu tragen, um so den Zustand steten
Gottesgedenkens zu erreichen und sich jeder einzelnen Stunde
dieses Monats bewusst zu sein. Planvoll sollen zum Beispiel für
die 23. Nacht dieses Monats die gewöhnlichen Ramadanhandlungen
beachtet werden, darüber hinaus sind aber auch die Empfehlungen
der letzten zehn Nächte - und die der machtvollen Nächte zu
beachten.
Viel Sorgfalt legten sie auf die Anweisungen
der unfehlbaren Imame zu den Regeln des wahren Fastens, womit
sie aus der Pflicht zu Fasten moralischen Gewinn zogen. In
diesem Zusammenhang rücken die berühmte Predigt des Gesandten
Allahs (saw), die am letzten Freitag des Vormonats Scha'ban
gehalten wird, wie die Empfehlungen des Buches Mafatih al-Jinan
und der Gelehrten (risalah) und alle Werke über die Gewohnheiten
von Ahlul Bayt in den Vordergrund des Interesses.
Die wichtigste gottesdienstliche Handlung
während des Ramadan bleibt jedoch die Quranrezitation, weil der
Ramadan für den heiligen Quran Frühling bedeutet, wie alles
einen Frühling hat. Deshalb ist es anempfohlen den Quran in
diesem Monat ein Mal ganz zu rezitieren - womit man ersten
Ramadantag anfängt und mit dem letzten endet.
Denn je mehr der heilige Quran (verstehend) zitiert wird, desto
mehr Ehre gewährt der Allmächtige in dieser wie in jener Welt.
Ebenfalls ist es anempfohlen, die Ad'iyah (Plural von Du'a,
Bittgebete) mit dem Verständnis ihrer offenbaren und
spirituellen Bedeutung vorzutragen, worauf ich bei einigen
Bitten zum Ramadan hinweisen möchte.
Wird dem Allerbarmer folgendes vorgetragen: "
O Allah, heile jeden Schmerzbetroffenen!
", dann betrifft das alle moralischen Krankheiten und mentalen Sünden, die
Gottesferne und betrübte Herzen bewirken.
Bei der Bitte "O Allah, sättige
den Hungrigen!" meinen wir auch jeden
Wahrheitssucher, der Wissen, ein rechtes Verständnis,
Einsicht und die Rechtleitung des geraden Weges ersehnt.
Auch die Bitte "O Allah,
bereichere den Armen!" betrifft den Reichtum der
Unabhängigkeit von allem Geschaffenen und den Zustand
der wirklichen Bedürftigkeit vor Allah, dem unendlich
Reichen oder Bereichernden.
Außerdem wird empfohlen gemäß des Du'a
al-Iftitah, daß auf den heiligen Imam al-Mahdi (a. s.)
zurückgeht, zu handeln, um seinen eigentlichen Zustand und seine
Pflicht während der Zeit der Verborgenheit zu erkennen.
Weiter ist jede Menge an zusätzlichen Gebeten
anempfohlen, wie die Rakatain vor dem Mittags- oder
Nachmittagsgebet zu verrichten, wie auch die als Salat al-Schaf'
bekannten Rakatain und das Salat al-Witr (nur ein Ruku), die zur
letzten Nachtstunde mit dem ebenfalls hoch anempfohlenen
freiwilligen Salatul-Lail verrichtet werden.
Die anderen, stark anempfohlenen Handlungen,
die während dieses heiligen Monats verrichtet werden sollten,
lassen sich folgendermaßen zusammenstellen:
- sich dabei Mühe zu geben, den
Glaubensbrüdern in ihren Nöten beizustehen
- ihnen Freude zu bereiten
- den Bedürftigen zu helfen
- das Leid der finanziell Bedrückten zu
lindern
- Alles zu vermeiden, das von Allah dem
Allmächtigen entfernt und den Entzug Seiner großzügigen
Segnungen verursacht.
Diesbezüglich besagt eine Überlieferung: "Der
wahrhaft Unglückliche ist jener, dem Allahs Vergebung in diesem
großartigen Monat versagt bleibt."
Weitere Einzelheiten finden sich in meinen
Werken "Ramadan und Festtage zwischen islamischer Regel und
Sitten und Gebräuchen", "Der Quran klagt an", "Die Moschee klagt
an", "Der Imam klagt an", und natürlich auch in vielen anderen.
In diesem gesegneten Monat müssen wir uns mit
einem so großen spirituellen Appetit und Mengen an wahrhaften
Glauben versorgen, dass wir bis zum nächsten Ramadan gefestigten
Glaubens sind, am heiligen Quran und den Überlieferungen von
Ahlul Bayt (a. s.) festhalten. Dazu lehrt uns der heilige Quran
"Und verseht euch mit Vorrat. Aber der beste Vorrat ist die
Furcht, und fürchtet MICH, o ihr, die ihr verständig seid!"
(2:197) im Sinne von "versorgt euch, denn der beste Vorrat ist
die Abwehr des Bösen".
Solche Portionen erhält man durch
Beharrlichkeit in der Hingabe und durch die Selbstermahnung. Wir
sollten nicht wie jene sein, die am Ende des Ramadans alle guten
Vorsätze, Taten und jede Hingabe vergessen haben, die sie darin
bewirkt haben und in ihren früheren Zustand eilfertig
zurückkehren. Leider sehen wir genau an den Festtagen, wie
manche während der Feierlichkeiten und Besuche wieder den
Ungehorsam gegen Gott kultivieren. [4]
Die zweite Möglichkeit sind die bevorstehenden öffentlichen
Wahlen im Irak. Das irakische Volk und ihre tatsächliche Führung
erwarten, dass diese Wahlen so frei und fair sind, dass alle
Menschen die Gelegenheit haben werden, sich daran ohne
Behinderungen, Erpressungen, Terrorismus, Verführung oder
Fälschungen zu beteiligen, so dass eine legale Regierung, die
aus dem Willen und der Wahl des Volkes herrührt an die Macht
kommt und als Grundlage für die Wiederherstellung von Freiheit
und nationaler Unabhängigkeit des Irak dient. Von dieser
Regierung wird auch erwartet, dass sie der Besatzung und dem
Blutvergießen ein Ende setzt, welches jeden Augenblick unter
lächerlichen und unangemessen Vorwänden und Forderungen
stattfindet.
Diese Wahlen sind in vielerlei Hinsicht wichtig und einiges
möchte ich von herausheben:
- Sie sollen die Zukunft des neuen Irak bestimmen und die
Weichen dieser Zukunft für einen Zeitraum stellen, den niemand
kennt außer Allah, weil sie die Grundlage sein werden, diesem
Land eine Verfassung zu geben. Auch wenn wir an dieser
Verfassung nicht Teil haben und auch nicht in der Lage sein
werden, ihre Artikel so zu fassen wie es erforderlich scheint,
kann diese Verfassung auch jede auf Förderung von Tugend und
gegen Korruption und Sünde gerichtete Reformbewegung der
Gemeinschaft unterdrücken, wie man zur Zeit in der Türkei sehen
kann.
- Diese Wahlen werden den Zusammenhalt des irakischen Volkes
testen und ihre Loyalitäten verdeutlichen. Wenn die Menschen den
Islam als Gestaltungskraft haben wollen, dann werden sie diesen
Willen völlig offen durch diese Wahlen zum Ausdruck bringen
können. Durch die Wahlurnen können sie aber auch ihre
Unterstützung für die islamischen Parteien zum Ausdruck bringen,
die von der obersten religiösen Autorität (marja'iyyah)
unterstützt und gesegnet sind. Alle Bestandteile des irakischen
Volkes, einschließlich der Minderheiten und der
nicht-muslimischen Gruppierungen wissen ganz genau, dass die
oberste religiöse Autorität die einzige ehrliche und liebevolle
Partei war, die sie barmherzig behandelt und ihre Rechte bewahrt
hat und sich jeglicher Verfolgung entgegenstellt, egal,
aus welchem Grund oder wem sie gilt. Schließlich ist die höchste
religiöse Autorität das Sicherheitsventil der Einheit des
irakischen Volkes und der Verbreitung von Gerechtigkeit unter
ihm.
- Diese Wahlen werden gut qualifizierte,
wache Leute an die Macht bringen, die bekannt sind für ihre
unverdorbenes Verhalten und die aufrichtig für den Aufbau dieses
Land und der Verbesserung der Lebensbedingungen seiner Menschen
arbeiten. Das Erreichen dieses Zieles ist abhängig vom Maße
unserer Anstrengungen bei der Überzeugung solcher loyaler
Einzelpersonen, als Kandidaten zur Verfügung zu stehen und die
Wähler zu überzeugen, für sie zu stimmen und sie zu
unterstützen.
Aus dieser Verpflichtung leiten sich folgende
weitere Aufgaben ab:
A. Den Leuten muss die Notwendigkeit ihrer Beteiligung an
den Wahlen bewusst gemacht werden, besonders, nachdem die
oberste religiöse Autorität ein Verdikt erlassen hat, das die
Teilnahme an dieser Wahl zur Pflicht erklärt und es allen
auferlegt, alle notwendigen Schritte, wie die Registrierung zur
Wahl und die Bereithaltung der erforderlichen Dokumente und
alles zu vermeiden, was diese Wahlen behindern könnte. Ich war
der erste religiöse Führer, der in öffentlicher Rede vor mehr
als einem Monat auf diese Pflicht aufmerksam gemacht hat (siehe
Ansprache 60). Die Menschen sollten die Bedeutung von
"obligatorisch" verstehen, wenn es von einer religiösen
Autorität stammt. Ganz deutlich: dies bedeutet, dass der Vollzug
einer religiösen Pflicht gleichkommt, die nicht vernachlässigt
werden darf, die also so befolgt werden muss wie das Gebet und
das Fasten - und mit der Stimme der Wahrheit gesprochen, ist
diese Angelegenheit noch wichtiger als Gebet und Fasten, weil
diese Gottesdienste individuelle Pflichten sind, weil sie die
Beziehung zwischen dem Einzelnen und seinem Schöpfer
charakterisieren, während die Wahlen das Schicksal des Landes
und seiner Bewohner betrifft. [5]
Diese Aufforderung muss von den religiösen Rednern,
Propagandisten, Ausgebildeten und der frommen Jugend an
Jedermann weiter getragen werden, weil ein großer Teil unserer
Bevölkerung auf dem Lande und in den Wüsten lebt, was auf Grund
des dort herrschenden Bildungsmangels befürchten lässt,
dass sie den Anspruch dieser Verdikte nicht richtig verstehen.
Daher ist es unvermeidlich, im Monat Ramadan eine breite
Kampagne mit jenen zu starten, die sonst nicht in der Lage sind,
sich daran zu beteiligen, weil genau in diesem Monat die Treffen
zu religiösen Predigten, Beratungen und Anleitung recht
zahlreich sind.
B. Es müssen erhebliche Anstrengungen
unternommen werden, um die frommen, ehrlichen und gut
qualifizierten Leute zu überzeugen, die nur das Gemeinwohl im
Sinn haben, sich als Kandidaten zur Verfügung zu stellen, ihre
Fähigkeiten anzugeben und sich den Leuten vorzustellen, damit
sie sie für die Regierungsämter wählen.
C. Die Menschen müssen vor denen gewarnt
werden, die es nur auf ihre Stimmen abgesehen haben und dafür
gute Worte oder Drohungen einsetzen, aber keinesfalls das
Gemeinwohl im Sinn haben, sondern nur persönliche Interessen und
die Interessen der sie unterstützenden Parteien.
D. Die Politiker und die mit Politik Befassten müssen
eingeladen werden, um auch die Ehrbaren auf die Wahl-Liste zu
setzen. Die (Positions-) Ansprüche müssen auf diesen Listen fair
verteilt werden, damit die oberste religiöse Autorität sie
nominieren und unterstützen kann, nachdem sie alle möglichen
Eide geleistet haben und versichern, dass sie, falls sie
gewählt werden, den höheren menschlichen Zielen und Grundsätzen
verpflichtet sind.
Unser starkes Interesse an diesen Wahlen rührt nicht aus unserem
Vertrauen bzw. von der Glaubwürdigkeit der Versprechungen derer
her, die für diese Wahlen verantwortlich sind. Es ist vielmehr
unsere religiöse Pflicht, dass wir der Verantwortung gegenüber
Allah, dem Allmächtigen, gerecht werden und alles Mögliche tun
müssen, um dem Volk wieder sein Recht zukommen zu lassen und die
Einheit, Unabhängigkeit und Freiheit des Irak und seines Volkes
zu bewahren und das Recht wieder in diesem Lande zur Geltung (w.
Herrschaft) zu bringen.
Dies Aufgabe ergibt sich aus unserer heiligen Pflicht, den Weg
für die globale Regierung des erwarteten Imams zu ebnen, weil
wir sicher wissen, dass die erwartete Regierung auf dem Prinzip
der (gerechten) Verteilung der Ansprüche (auf Ämter) unter den
dafür am besten Qualifizierten und darauf beruht, den Richtigen
ohne wenn und aber an die richtige Stelle zu setzen. Wir wissen
auch sicher, dass der erwartete Imam seine Regierung nicht mit
Wundern, Waffengewalt, Verwüstungen, Enthauptungen oder
Vernichtung von allem, was ihm möglicherweise nicht passt,
errichten wird, wie es die Terroristen in diesen Tagen tun, um
den Islam zu verunstalten und die Menschheit dazu zu bringen,
jedem islamischen Reformer zu misstrauen. Wir glauben an die
Tatsache, dass der erwartete Imam dem Weg seines Großvaters, dem
heiligen Propheten, folgen wird, der seine gesegnete Verkündung
des Islam allein begann. Die reinen Menschen mit gesunden Herzen
und tiefgreifendem Scharfsinn, wurde von ihm erleuchtet und
vertrauten ihm. Deshalb verbreitete sich seine Lehre so enorm,
dass sie jeden Winkel dieser Welt erreichte. Nicht einmal die
Unverschämtesten der arroganten Mächte konnten dies verhindern.
Persönlich trug der Prophet keine Waffe - auch nicht in den
kritischsten Situationen. Als seine Gefährten in der Schlacht
von Uhud besiegt wurden und er von seinen götzendienenden
Feinden umringt war, hatte er auch keine Waffe, um sich selbst
gegen sie zu verteidigen - deshalb verletzten sie ihn und
vergossen sein Blut. Der einzige, der ihn verteidigte war Imam
Ali. Weil er [von der Liebe] als Barmherzigkeit für alle
Wesen, einschließlich seiner Feinde, gesandt worden war, tötete
der Prophet niemanden. Er war in der Tat das beste Beispiel für
Allahs Barmherzigkeit, die alles umgibt. Imam al-Mahdi ist in
der Tat der Sohn dieses großen Propheten, der seine
Gepflogenheiten wiederbeleben und seinen Kurs halten wird.
Abschließend erflehe ich von Allah, dem
Allmächtigen,
euch und mich zu den Anhängern von
Imam al-Mahdi und jenen zu zählen,
die den Weg für seine
gesegnete Herrschaft ebnen,
und uns zu den besten Seiner
Geschöpfe zu zählen, die diesen heiligen Monat
empfangen,
uns einen Anteil von dem zu gewähren,
was Er für Seine rechtschaffenen Diener vorsieht,
uns zu dem zu führen, wohin Er
Muhammad und seine Familie führte,
und uns aufgrund Seiner Vergebung und
Befreiung vom Höllenfeuer zu erlösen,
denn Er ist in der
Tat allverzeihend, all-barmherzig, all-gütig und
all-edel.
Aller Preis sei Allah, dem Herrn der Welten
und Seine Segnungen seien auf Mohammad und seiner makellosen
Familie.
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[1] Eine Rede, die seine Eminenz Scheikh al-Yaqoobi angelegentlich
der Ankunft des gesegneten Monats Ramadan und der bevorstehenden
nächsten Wahlen hielt.
[2] Näheres siehe in Dawr al-A'immah fi’l-°ay¡t
al-Islamiyyah (Die Funktion des Imams im islamischen Leben)
von Ayatollah Muhammad al-Ya`qobi.
[3] Dies sagte unser Mentor, Märtyrer Sayyid al-Sadr in
einem seiner Treffen mit den Studenten der al-Sadr Universität
für religiöse Studien im Monat Jumada II, 1419 a.H.; einige
Auszüge seiner Vorlesung wurden in ‘J¡mi`at al-Sadr
al-D¢niyyah al-Hawiyyah wa’l-Inj¡z¡t (Al-Sadr Universität
für religiöse Studien: Identität und Errungenschaften)’
veröffentlicht.
[4] Näheres findet sich in unserer Unterweisung ‘Unser
Gewinn im Ramadan und von den Festtagen', veröffentlicht im Buch
‘Min Wahy al-Mun¡sab¡t (Inspirationen während der
berühmten Anlässe (Feierlichkeiten))’.
[5] Weitere Einzelheiten zu diesem Punkt finden sich in
Erklärung Nr. 55 der öffentlichen Rede mit dem Titel "Politische
Praxis, eine religiöse Pflicht".
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