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Die Rolle der Religion bei der
Verwirklichung von Frieden und Freude

Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Satan,
dem Verfluchten. Im Namen Allah, des Allbarmers, des
Barmherzigen. Allahs Friede und Gnade sein über euch. Die
Religion des Islam ist als das Hauptmotiv für die Menschen in
dieser Region zu betrachten; die Gründe hierfür sind folgende:
1. Da die Religion ein Werk Gottes ist, sind die Menschen in
dieser Region der Überzeugung, dass sie ein System sei, welche
den Menschen Frieden und Freude in diesem weltlichen Leben
bringt. Allah, der Schöpfer aller Menschen, ist deswegen der
Einzige, der die geeigneten Methoden der Verbesserung und der
Rechtleitung des Menschen, sowie der Behandlung dessen
Krankheiten am besten weiß; das ist genauso der Fall bei einem
Erfinder, der am besten weiß, wie er einen Fehler, der sein
Gerät betrifft, behebt.
Die Menschen dieser Region sind demnach zur Einsicht gekommen,
dass das islamische Gesetz im Stande ist, sowohl das
individuelle wie auch das soziale Leben in Ordnung zu bringen;
dieses Gesetz sorgt sich sogar für die feinsten Details des
menschlichen Lebens wie z. B. die Verhaltensweise beim Sitzen am
Esstisch, beim Stuhlgang, und beim Geschlechtsverkehr.
Diesbezüglich beziehen sich die Menschen auf die Wörter ihrer
Imame, die sagen:'' Der Allmächtige Allah hat für jeden Fall
eine Regel aufgestellt.''
2. Die von den Menschen geschaffenen Systeme haben versagt, des
Menschen Leben in Ordnung zu bringen. Jeder hat z. B.
beobachtet, wie Kommunismus in seiner eigenen Hochburg
zusammenbrach, und wie aus der Sowjetunion nichts wurde.
Dasselbe gilt auch für Kapitalismus; die sozialen, mentalen
sowie die wirtschaftlichen Syndrome nagen an seiner Struktur.
Diese Tatsache ist auch das Hauptmotiv für die weltweit
organisierten Demonstrationen gegen die sog. Globalisierung. Es
ist also zu erwarten, dass solche Systeme scheitern, da sie von
Menschen gemacht sind, welche nicht in der Lage sind, sich
selbst zu erkennen; deshalb verfasst man auch Bücher wie z. B.
"Der Mensch, der Unbekannte" [1]
3. Die Führer und die Gelehrten des Islam sind so zu
charakterisieren, dass sie anständig, aufrichtig, asketisch, und
unegoistisch sind. Solche Eigenschaften haben ihnen eine
angesehene Stellung unter den Leuten verliehen, welche deswegen
ihnen folgen, vertrauen, und ihren Anweisungen befolgen.
Diese Charakteristika sind in der Persönlichkeit des Imam Ali
eindeutig verkörpert; obwohl er Führer eines weiträumigen
Staates war, teilte er seinen Leuten in Kufa, einer Stadt, die
er zu Hauptstadt seines Landes machte, mit: '' Würde ich mehr
aneignen (in meiner Regierungszeit), als das Kleidungsstück,
welches ich aus Medina mitbrachte (die ehemalige Hauptstadt des
islamischen Landes), so betrachte ich mich dann als Betrüger''.
4. Die Menschen glauben an die Existenz eines zweiten Lebens
(nach dem Tode), in dem jeder das vorfindet, was er in diesem
weltlichen Leben begangen hat. Jene, die in diesem Leben Gutes
taten, werden so belohnt, dass sie zum Paradies geschickt
werden. Im Gegensatz werden diejenigen, die in diesem Leben Übel
anrichteten, das Feuer als Strafe haben.
Dieser Glaube wurde sicherlich von vertrauensvollen Individuen
bestätigt, welche man keinesfalls bezweifeln kann; diese
Individuen sind die Propheten, deren Anzahl sich
tausendjahrelang auf über 124,000 belief. Deshalb ist die
Verpflichtung gegenüber der Religion zugleich eine Sicherung
dafür, dass man das Paradies gewinnt, und demzufolge die Rettung
vom Feuer, welches der Allmächtige Allah für die Ungehorsamen
vorbereitete.
5. Der Ansicht der Muslime nach, ist die Religion des Islam
nicht ausschließlich eine Anzahl von Rituellen, welche von
Individuen in bestimmten Orten durchführbar sind; der Islam
bedeutet für die Muslime Zivilisation, Kultur, Geschichte,
Traditionen, und Gebräuche. Deshalb ist ein Muslim stolz auf
seine Religion, verteidigt sie, hängt an sie wie alle Menschen,
welche an den Symbolen ihres Lebens hängen.
Aufgrund der u. a. oben erwähnten Standpunkte, erfreut sich die
Religion eines so überragenden Einflusses in den Herzen der
Menschen, so dass die Religion auch ihre Gefühle in bestimmte
Richtungen steuern kann, und sich in den Einstellungen zu
bestimmten Angelegenheiten spürbar macht.
Diese Tatsache hat man weltweit verstanden. Durch die
verschiedenen Massenmedien hat die gesamte Welt beobachtet, wie
diese Menschen mit ihren Ritualen interagieren, und wie diese
auf die religiösen Aufrufe reagieren. Das ist uns nicht fremd.
Unsere Geschichte ist reich an Beispielfällen, in denen man den
Einfluss der Religion eindeutig spürt. Alle im letzten
Jahrhundert geschehene Befreiungsrevolutionen in dieser Region
entnahmen ihre Energie dieser großen Religion, da diese
Revolutionen von Geistlichen geführt wurden.
Aufgrund dieses enormen Einflusses, über den diese Religion
verfügt, kann man dadurch die Leute so steuern, dass man vieles
leistet, was andere Medien und Mittel normalerweise nicht
schaffen können. Es wurden beispielsweise Milliarden von Dollar
für eine Propaganda gegen das Rauchen sowie für die Gründung von
Institutionen, welche sich mit der Bekämpfung dieses Phänomen
beschäftigt, freigesetzt.
Jedoch waren all diese Bemühungen nutzlos. Im Gegensatz dazu,
war die einzeilige Fatwa (Rechtsspruch), welche von der
religiösen Autorität in Iran verfasst wurde, genug, einen
ähnlichen Fall (Rauchverbot) zu entscheiden.
Als die britische Regierung damals einen Vertrag mit dem Schah
(der König vom Iran) unterzeichnete, nach welchem die englischen
Behörden das Privileg bekamen, den iranischen Tabak für fünfzig
Jahre zu verkaufen, zu exportieren, und herzustellen.
Aufrichtige Leute im Iran haben damals die wirtschaftliche und
politische Gefahr, welches diesen Vertrag auslöst, erkannt. Man
ging ebenso davon aus, dass dieser Vertrag zur Korruption führen
könnte.
Deshalb waren die Leute von der Fatwa der damaligen höchsten
religiösen Autorität von Seyyed Mohammad Hassan Al-Schirazi, der
damals in Samara (Irak) lebte, überzeugt. Um das Problem zu
beseitigen, schrieb Seyyed Al-Schirazi auf einem Zettelchen
folgendes: ''Wer raucht, der kämpft gegen den Imam der Zeit
(Imam Al-Mahdi)''.
Wegen dieses Fatwa hat das iranische Volk aufgehört zu rauchen.
Als Zeichen ihrer Gehorsamkeit gegenüber der religiösen
Autorität, hat die Ehefrau des Schahs die Tabakspfeife ihres
Mannes zerbrochen; der britische Plan scheiterte.
Was uns, irakisches Volk, anbelangt, haben wir solche Erfahrung
auch mal gehabt. In der Zeit von 1998-1999 pflegte seine Eminenz
Märtyrer Mohammad Sadiq Al-Sadr (Allah möge seine Seele
gnädigen) das rituelle Freitagsgebet zu entrichten, an dem sich
hunderttausende Menschen beteiligten. Man hat in dieser
Zeitspanne ganz deutlich vermerkt, dass Kriminalfälle,
Korruption und sozialer Verfall bis zu 90% nachgelassen hat.
6. Da die Religion darauf hinzielt, die höchsten menschlichen
Prinzipien durchzusetzen, wird sie als die erfolgreichste
Methode angesehen, welche dazu beiträgt, die Menschheit vor
Unruhe, Unordnung sowie vor Schrecken zu schützen. Die Menschen
im Westen sind auch zu dieser Einsicht gekommen; sie geben zu,
dass sie bei der Bekämpfung von AIDS gescheitert sind, indem sie
sagen, dass die Behandlung desselben in der geistlichen und
moralischen Erziehung des Individuums sowie in der Beachtung der
himmlischen Werte bei der untermenschlichen Beziehungen liegt.
Wir halten diese Meinung für richtig, aber sie hätten dies
zugleich lange Zeit merken sollen, nämlich aus folgenden zwei
Gründen:
a) wie vorher erwähnt, ist der Mensch eine Erfindung Allahs,
deswegen kann keiner das Heilmittel für einen Menschen
verschreiben außer seinem Schöpfer.
b) die Gesetze und Regeln gehören zu einer einzigen Quelle
(Allah), und sie sind deshalb zusammenhängend. Wenn nun
dementsprechend irgendeine Störung, eine Abweichung, oder ein
Ungehorsam gegenüber Allah auftritt, richtet dies gewiss eine
Unordnung in der Natur an.
Um mehr Licht auf diese Wechselbeziehung zwischen Mensch und
Allah zu werfen, führen wir folgendes Beispiel an:
In letzter Zeit, erlebten einige Länder in Europa verheerende
Flutwellen, welche für Menschen- und Sachschäden sorgten. Europa
hat solche Flutwellen in solch einem Ausmaß innerhalb der
letzten 150 Jahre nicht erlebt. Die Gründe dieser Flutwellen
führte man auf die Ablehnung der USA, welche den Vertrag zum
Umweltschutz nicht unterzeichnete (Kyoto Abkommen). Dieser
Vertrag verbietet der USA die gleichzeitige Inbetriebnahme aller
Fabriken. Da die USA diesem Vertrag nicht nachkam, führte dies
zu verhängnisvollen Folgen wie z. B. die Steigung der
Erdtemperaturen, welche zum Eisschmelzen und Regenfällen führt.
Das gibt zu erkennen, dass das Nichtbefolgen dieses menschlichen
Prinzips, welches sich mit den himmlischen Regeln übereinstimmt,
zu natürlichen Unordnungen führt. Man gibt ja zu, dass auch die
moderne Technik nicht in der Lage ist, das Ungeordnete wieder in
Ordnung zu bringen. Hätte man, im Gegensatz dazu, die göttlichen
Anweisungen und den menschlichen Prinzipien befolgt, würde man
in Liebe, Frieden, und in Wohlstand leben. Im Bezug auf dieses
Faktum, sagt Allah:
''Wären aber Angehörige der Städte überzeugt und
gottesfürchtig gewesen, so hätten Wir ihnen ganz gewiss
Segnungen von Himmel und der Erde eröffnet. Doch sie leugneten;
dann haben Wir sie erfasst um dessentwillen, was sie begangen
hatten.'' (Quran 7/96)

(Bildquelle: Archiv Harald Weber)
Darüber hinaus, ist die Religion reich an solchen hohen
Idealismen, welche als die Hauptzwecke der Botschaft des
Propheten Mohammad (s. a.) zu betrachten sind. Der eigentliche
Zweck ist die Vervollständigung menschlicher Moral. Es wird
überliefert, dass der Prophet sagte:
"Ich bin nur deshalb gesandt worden (mit der göttlichen
Botschaft), um den Charakter zu vervollständigen."
Weiterhin ruft der Islam zum Frieden auf. Der Quran sagt
diesbezüglich:
'"Oh ihr diejenigen, die überzeugt sind, tretet zusammen ein
in das Heil und folgt nicht den Fußstapfen des Satans; wahrlich,
er ist euer verdeutlichter Feind." (Quran 2/208)
Das Grußwort des Islam ist Salam (Frieden). Einer der
Anweisungen des Islam ist es, das Grußwort Salam in der
Gesellschaft soviel wie möglich zu verbreiten, sowie die
Aufforderung Gutes zu tun und gerecht zu sein. Im Quran findet
man diesbezüglich folgende Stelle:
"Wahrlich, Allah gebietet, mit Gerechtigkeit und Gutem und
den Verwandten zukommen zu lassen; und Er verbietet, was
schändlich und abscheulich und das Vergehen. Er ermahnt euch;
vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen." (Quran 16/90)
Außerdem ruft der Islam auf, den Nichtmuslimen Gutes zu tun,
solange diese die Muslime nicht angreifen. Der Quran sagt
diesbezüglich:
"Allah verbietet euch nicht, zu denjenigen, die euch nicht
des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren
Häusern vertrieben haben, gütig zu ihnen zu sein und redlich mit
ihnen zu verfahren; wahrlich, Allah liebt die Gerechten."
(Quran 60/8)
Der Islam ruft sogar zum Dialog mit anderen Religionen auf:
"Sprich: Oh Angehörige der Schrift, kommt herbei zu einem
gleichen Wort zwischen uns und zwischen euch, dass wir nämlich
Allah allein dienen und nichts neben Ihm annehmen und dass nicht
einige von uns andere zu Herren nehmen außer Allah. Und wenn sie
sich abwenden, so sprecht: Bezeugt, dass wir Ergebene sind.''
(Quran 3/64)
Und organisiert die Redeweise mit dem den anderen:
"Und streitet nicht mit Angehörigen der Schrift; es sei
denn auf die beste Art und Weise. Ausgenommen davon sind jene,
die ungerecht sind. Und sprecht: Wir sind überzeugt von dem, was
zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde;
und unser Gott und euer Gott ist Einer; und Ihm sind wir
ergeben.'' (Quran 29/46);
"Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung
auf, und streite mit ihnen auf die beste Art. Wahrlich, dein
Herr weiß am besten, wer von Seinem Wege abgeirrt ist; und Er
kennt jene am besten, die rechtgeleitet sind." (Quran
16/125)
Auch die Glaubensfreiheit ist vom Islam betont; dazu sagt der
Quran:
"Es gibt keinen Zwang im Glauben." (Quran 2/256).
Er fördert sogar diejenigen, die nach der Wahrheit suchen, indem
man ihnen Sicherheit sowie allen dazu gehörigen Umständen
gewährt:
"Und falls einer unter den Götzendienern von dir behütet
werden möchte, dann behüte ihn, bis Allahs Worte ihn gereifen
können; hierauf lasse ihn den Ort seines Vertrauens erreichen.
Dies, weil sie ein unwissendes Volk sind." (Quran 9/6)
Nach der Vorstellung des Islam war die Entsendung des Propheten
eine Barmherzigkeit für die Menschen, um sie zu schützen und
ihnen Freude zu verleihen:
"Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle
Welten." (Quran 21/107)
Schwester und Brüder!
Als ihr die dritte Konferenz der Religion für Frieden gegründet
habt, habt ihr euch zugleich für eine große, wertvolle, und
respektvolle Verantwortung verpflichtet. Ihr seid deshalb
aufgefordert, diese Verpflichtung in die Tat umzusetzen, indem
ihr die Durchsetzung dieser Prinzipien unterstützt, und die
Verbreitung einer Kultur voller Liebe, Frieden und Harmonie zu
fördern, nicht aber die Verbreitung des Fundamentalismus,
Extremismus und Kollision, welche alles vernichtet haben.
Aus verschiedenen Gründen leiden wir, im verletzten Irak, an
Stöhnen unter Ungerechtigkeit, Aggressionen und unter Beraubung
unserer einfachen Rechte. Wir wenden uns an euch, damit ihr uns
helft und uns unsere geeignete Rolle gebt, da wir ein Volk mit
einer alten Zivilisation sind, und über alle Faktoren des
Wohlstands und der Entfaltung verfügen. Als erster Schritt
sollte das Verstehen unserer Forderungen sein, und diese als
gerecht anzusehen, denn Allah sagt:
"und unterschlagt nicht den Menschen ihr Eigentum" (Quran
11/85)
Schließlich bitte ich Allah, dass er allen Menschen, welche
Gutes tun, Erfolg verspricht. Allahs Frieden und Gnade sei auf
euch.
[1] Ein Buch von Alexis Carrell
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