Offizielle Seite des Marjaa Ayatollah Sheikh Mohammad Musa Al-Yaqoobi
zurück

Islamische Aktivitäten und der Vermittler-Staat

Wenn wir in unserer Funktion als Aufsichtspersonen die sozialen Aktivitäten der Islamisten, ob nun Mitglieder des Seminars (also „Hawzah“), Mitglieder islamischer politischer Parteien oder islamische Intellektuelle bewerten wollen, treffen wir auf zwei berühmte Linien:

Die erste Linie und Kategorie repräsentiert diejenigen, die völlig in sozialen Aktivitäten engagiert sind, ohne in irgendeiner Art und Weise ihre Aufmerksamkeit auf Selbstdisziplin, Selbstperfektion und die Bildung ihres eigenen Charakters zu richten. Damit vergessen sie aber ihre anfänglichen Absichten, wegen denen sie sich überhaupt in solchen Aktivitäten engagierten.

Für solche Individuen sind alle Standards durcheinander geraten. Sie haben das Richtige als falsch und das Falsche als richtig gesehen, ihre Aktivitäten haben sich gewandelt in einen Kampf um die Erlangung weltlichen Reichtums und ihre Kämpfe gegen die Tyrannei haben sich verwandelt in Kämpfe um die Erlangung von Macht, nicht aber um Unterdrückung abzuschaffen und stattdessen Gerechtigkeit, Reformen und gute Lebensstandard zu etablieren. Allmählich haben sie sich von ihrem Prinzipien distanziert, ohne es überhaupt zu merken, denn die Last der Macht auf der Mentalität der herrschenden Person ist psychologisch.

In diesem Zusammenhang sagt heilige Koran:

„Allah ließ diejenigen, die ihn aufgaben, ihre eigene Seele aufgeben. Sei nicht so wie sie, denn sie sind die Missetäter.“ (59/19)

Man kann solche Lasten kaum bemerken und seine Sinne erholen, es sei denn, Allah, der Allmächtige und Selige schenkt einem einen seiner Günstlinge, oder man findet einen ehrlichen und wohlgesinnten Freund, der einem den richtigen Weg zeigt, oder aber es existiert im Herzen und im Bewusstsein des Menschen immer noch ein Rest purer Seele, von der er lebt.

Wenn aber diese drei Faktoren fehlen, wird man in den Abgrund sinken, und es wird nicht länger die Möglichkeit geben, zu entkommen. Dann - Gott behüte - wird es nutzlos sein, zu bereuen. Das beste Beispiel für diese Kategorie sind die tyrannischen politischen Parteien, die den Islam als ihr Motto darstellen.

Die zweite Linie und Kategorie wird von denjenigen repräsentiert, die die Isolation und den Rückzug vorzogen. Sie haben deshalb ihren Glauben, ihre Entschlossenheit und ihren Enthusiasmus gegenüber ihren Aktivitäten verloren und widmeten alle ihre Gedanken ihren persönlichen Angelegenheiten.

Es gibt drei mögliche Gründe dafür: entweder, weil die Versuche früherer Kategorien der Islamisten scheiterten, was die Kategorie negativ belastete und ihnen Unehre zuschrieb, oder weil die Individuen dieser Kategorie es nicht schafften, ihre Mission adäquat auszuüben, oder aber weil sie an Reformen und Veränderungen scheiterten.

Das Resultat dieser Verzweiflung war Frustration, auf die sie mit der Verbannung aller sozialen Aktivitäten reagierten. Leider kann man eine große Anzahl an Studenten und tugendhaften Persönlichkeiten, die dem Seminar von Nadschaf und anderen islamischen Schulen angehören auch in diese Linie und Kategorie einordnen.

Obwohl die heilige Stadt Nadschaf Tausende von Religionswissenschaftlern umfasst, kann sie nicht eine einzige Person finden, die in der Lage wäre, für diese Stadt eine Hand voll Rat, Anweisung und rechtmäßiger Führung auszusprechen, um die sozialen Abweichungen und die Ignoranz der Menschen den Gesetzen und Sitten der Religion gegenüber abzuschaffen, die in Nadschaf weit verbreitet sind.

Zweifellos haben sich beide Kategorien vom rechten Weg abgewandt, welchen der Vermittler-Staat einschlagen soll. Bezüglich dieser Tatsache sagt der heilige Koran:

„Wir haben für euch einen Vermittler-Staat ernannt, so dass er Zeuge gegen die Menschheit sein kann und der Bote ein Zeuge gegen den Vermittler-Staat." (2/143)

Diesem heiligen Vers zufolge hat also keine dieser beiden Kategorien es verdient, als Zeuge gegen die Menschheit zu fungieren, denn beide haben Mängel gezeigt.

Die erste Kategorie hat sich offensichtlich vom religiösen Gesetz abgewandt. Außerdem ist sie in viele großen Sünden und zerstörerische Missetaten involviert, was der Fehler von denjenigen ist, die sich die Führung der Menschen aneignen, nur um ihre persönlichen Angelegenheiten adäquat zu erledigen. Eigentlich ist derjenige, der die Führung eines Volkes und in seinem Namen die Verantwortung für alles übernimmt - obwohl es sehr schwer ist, solche Menschen zu finden - haftbar für alle noch so kleinen Angelegenheiten dieser Menschen. Deshalb wird seine Befragung durch den Allmächtigen viel mehr Zeit in Anspruch nehmen als die der anderen.

Als ich die Surah al-Qasas (Kapitel: die Geschichten, Nr. 28 des Heiligen Koran) rezitierte, gelangte ich zu den letzten Versen, in denen die Geschichte von Korah (Qarun) erzählt wird, dem schrecklich reichen Israeli, dem Gott, der Allmächtige „so viele Schatzkammern gab, dass es selbst für einen starken Mann eine unglaublich große Last war, all die Schlüssel für diese zu tragen.“ Seine soziale Stellung war so verführerisch, dass sich viele wünschten, sie seien an seiner Stelle.

Während der Koran die Geschichte von Korah erzählt, sagt er: „So lebte er weiter, unter seinem Volk, mit dem Stolz seines weltlichen Glanzes. Diejenigen, dessen Ziel das weltliche Leben war, sprachen: „Ach hätten wir doch das Gleiche wie Korah. Denn er ist wahrhaftig ein Herr von großem und gutem Glück.“ Aber diejenigen, die mit wahrem Wissen beschenkt worden waren, sprachen: „Schade um euch. Die Belohnung Gottes nach dem Jetzt ist das Beste für diejenigen, die glauben und rechtschaffen sind. Aber solch Reichtum sollte keiner erzielen. Gott möge diejenigen schützen, die unerschütterlich das Gute nicht aufgeben wollen.“ Dann brachte Gott die Erde dazu, Korah und sein Haus zu verschlucken und Korah hatte weder die kleinste Anhängerschaft, die ihm gegen Allah hätte helfen können, noch konnte er sich selbst verteidigen. Diejenigen, die zuvor seine Stellung beneideten, sagten am folgenden Tag:

„Es ist in der Tat Allah, der den Reichtum seiner Diener vergrößert oder einschränkt. Wenn Allah uns gegenüber nicht gütig gewesen wäre, hätte er die Erde sogar dazu bringen können, uns zu verschlucken. Diejenigen, die Allah verleugnen, werden mit Sicherheit nie reich werden.“ (28/79-82)

Die Welt, in der wir leben, ist wirklich nicht so, wie die Welt, in der Korah lebte, so dass sie es verdient, dass man von seinen eigenen Prinzipien abweicht, nur um des Heils der Welt willen. Diejenigen, die sich wünschen, an der Stelle irgendeiner anderen Person zu sein, die eine machtvolle Stellung hat, werden bald bemerken, dass Gott, der Allmächtige nur ihr Bestes wollte, als er sie davor schützte, von so einer machtvollen Position gefangen zu werden.

Die Menschen der zweiten Kategorie haben in der Tat die Angelegenheiten ihres Volkes vernachlässigt, worüber eine Hadith folgendes sagt:

„Der, der seinen Tag beginnt, ohne den Sorgen der Muslime Aufmerksamkeit zu schenken, ist in Wirklichkeit keiner von ihnen.“

Außerdem haben die Repräsentanten der zweiten Kategorie ihre Verantwortung für die Verbreitung des Wortes Gottes und den Lehren seiner Religion aufgegeben. Diese Verantwortung ist ihnen auferlegt worden, weil sie genug Wissen und Erfahrung haben, um diese zu tragen. Und jeder, der dieses Wissen hat, ist verantwortlich dafür, es zu verbreiten und den anderen zu übermitteln, wohl wissend, dass es heutzutage die richtigste vorhandene Möglichkeit ist, Aktivitäten im heiligen Gebiet des Islam auszuüben.

Dennoch ist das Versagen einer bestimmten Person oder Gruppe innerhalb seines Verantwortungsbereiches keine Ausrede dafür, sich zurückzulehnen und auszuruhen, egal wie steinig und hindernisreich der Weg sein mag.

In dem Spruch, der aufgesagt wird, wenn man den Schrein des Abu`l-Fadhl al-Abbas besucht, findet man folgende Aussage:

„Ich trage das Zeugnis darüber, dass ihr niemals (von eurer Pflicht) abschweift und zurückschreckt.“

Gott, der Allmächtige und Erhabene will, dass der Vermittler-Staat, der uns repräsentiert, so ist. In Ära und Zeit muss es einen solchen Vermittler-Staat geben, egal, wie groß die zu machenden Opfer sind, egal wie groß die Hindernisse, Unterdrückungen, Verdächtigungen und die Frustrationen sind, mit denen der Vermittler-Staat konfrontiert wird, während er seiner Aufgabe nachkommt. Bezüglich dieser Faktoren sagt der heilige Koran:

„Unter den Gläubigen gibt es Menschen, die bezüglich ihres Abkommen gegenüber Allah ehrlich waren. Einige von ihnen haben ihr Gelöbnis bis zum Extremsten vollendet. Einige warten noch immer, aber sie haben nicht im Mindesten ihre Entschlossenheit geändert.“ (33/23)

In seinem Buch „al-Amali“ schreibt Shaykh Sadouq folgendes: „Zur Auslegung dieses heiligen Verses:

„Mit Allah ist das abschließende Gespräch. Wenn es sein Wille gewesen wäre, hätte er euch tatsächlich alle führen können.“ ( 6/194)

Es wird berichtet, dass Imam al-Sadiq gesagt haben soll:

„Am Tag der Auferstehung wird der Erhabene seine Diener einzeln befragen: „Mein Diener, bist du kenntnisreich gewesen?“ Wenn der Diener diese Frage bejaht, so wird Gott zu ihm sagen: „Es wäre besser gewesen, hättest du dein Wissen in deinem Verhalten befolgt.“

Wenn der Diener verneint, wird Gott zu ihm sagen: „Du hättest lernen sollen, so dass du dein Wissen für deine Taten hättest anwenden können.“ Dies ist das abschließende Gespräch, das im heiligen Vers gemeint ist.

Die ganze Welt erwartet von euch allen, das heißt von den Irakis im Allgemeinen und vom Religions-Seminar der heiligen Stadt Nadschaf im Besonderen, dass ihr ihnen den ursprünglichen Islam zuführt, der vom heiligen Propheten übermittelt und von Ehl-i Beyt anerkannt und befolgt wurde. Sie wollen den wahren Islam, der frei von Verzerrungen, falschen Führungen und falschen Vorstellungen ist, die dem Islam zugeschrieben worden sind. Ihr seid nun unter jenen Verantwortungsvollen, denen diese große Stiftung anvertraut wurde:

„Und deshalb, lasst diejenigen nach etwas streben, die ehrgeizig sind.“ (83/26)

Die ganze Welt kann den puren und ursprünglichen Islam nur bei euch finden. Denn ihr seid seine Essenz und sein Ursprung. Heutzutage sind alle Möglichkeiten für Aktivitäten zugänglich und ihr könnt mühelos mit der Welt über das Internet kommunizieren.