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Islamische Aktivitäten und der Vermittler-Staat
Wenn wir in unserer Funktion als
Aufsichtspersonen die sozialen Aktivitäten der Islamisten, ob
nun Mitglieder des Seminars (also „Hawzah“), Mitglieder
islamischer politischer Parteien oder islamische Intellektuelle
bewerten wollen, treffen wir auf zwei berühmte Linien:
Die erste Linie und Kategorie repräsentiert diejenigen, die
völlig in sozialen Aktivitäten engagiert sind, ohne in
irgendeiner Art und Weise ihre Aufmerksamkeit auf
Selbstdisziplin, Selbstperfektion und die Bildung ihres eigenen
Charakters zu richten. Damit vergessen sie aber ihre
anfänglichen Absichten, wegen denen sie sich überhaupt in
solchen Aktivitäten engagierten.
Für solche Individuen sind alle Standards durcheinander geraten.
Sie haben das Richtige als falsch und das Falsche als richtig
gesehen, ihre Aktivitäten haben sich gewandelt in einen Kampf um
die Erlangung weltlichen Reichtums und ihre Kämpfe gegen die
Tyrannei haben sich verwandelt in Kämpfe um die Erlangung von
Macht, nicht aber um Unterdrückung abzuschaffen und stattdessen
Gerechtigkeit, Reformen und gute Lebensstandard zu etablieren.
Allmählich haben sie sich von ihrem Prinzipien distanziert, ohne
es überhaupt zu merken, denn die Last der Macht auf der
Mentalität der herrschenden Person ist psychologisch.
In diesem Zusammenhang sagt heilige Koran:
„Allah ließ diejenigen, die ihn aufgaben, ihre eigene Seele
aufgeben. Sei nicht so wie sie, denn sie sind die Missetäter.“
(59/19)
Man kann solche Lasten kaum bemerken und seine Sinne erholen, es
sei denn, Allah, der Allmächtige und Selige schenkt einem einen
seiner Günstlinge, oder man findet einen ehrlichen und
wohlgesinnten Freund, der einem den richtigen Weg zeigt, oder
aber es existiert im Herzen und im Bewusstsein des Menschen
immer noch ein Rest purer Seele, von der er lebt.
Wenn aber diese drei Faktoren fehlen, wird man in den Abgrund
sinken, und es wird nicht länger die Möglichkeit geben, zu
entkommen. Dann - Gott behüte - wird es nutzlos sein, zu
bereuen. Das beste Beispiel für diese Kategorie sind die
tyrannischen politischen Parteien, die den Islam als ihr Motto
darstellen.
Die zweite Linie und Kategorie wird von denjenigen
repräsentiert, die die Isolation und den Rückzug vorzogen. Sie
haben deshalb ihren Glauben, ihre Entschlossenheit und ihren
Enthusiasmus gegenüber ihren Aktivitäten verloren und widmeten
alle ihre Gedanken ihren persönlichen Angelegenheiten.
Es gibt drei mögliche Gründe dafür: entweder, weil die Versuche
früherer Kategorien der Islamisten scheiterten, was die
Kategorie negativ belastete und ihnen Unehre zuschrieb, oder
weil die Individuen dieser Kategorie es nicht schafften, ihre
Mission adäquat auszuüben, oder aber weil sie an Reformen und
Veränderungen scheiterten.
Das Resultat dieser Verzweiflung war Frustration, auf die sie
mit der Verbannung aller sozialen Aktivitäten reagierten. Leider
kann man eine große Anzahl an Studenten und tugendhaften
Persönlichkeiten, die dem Seminar von Nadschaf und anderen
islamischen Schulen angehören auch in diese Linie und Kategorie
einordnen.
Obwohl die heilige Stadt Nadschaf Tausende von
Religionswissenschaftlern umfasst, kann sie nicht eine einzige
Person finden, die in der Lage wäre, für diese Stadt eine Hand
voll Rat, Anweisung und rechtmäßiger Führung auszusprechen, um
die sozialen Abweichungen und die Ignoranz der Menschen den
Gesetzen und Sitten der Religion gegenüber abzuschaffen, die in
Nadschaf weit verbreitet sind.
Zweifellos haben sich beide Kategorien vom rechten Weg
abgewandt, welchen der Vermittler-Staat einschlagen soll.
Bezüglich dieser Tatsache sagt der heilige Koran:
„Wir haben für euch einen Vermittler-Staat ernannt, so dass
er Zeuge gegen die Menschheit sein kann und der Bote ein Zeuge
gegen den Vermittler-Staat." (2/143)
Diesem heiligen Vers zufolge hat also keine dieser beiden
Kategorien es verdient, als Zeuge gegen die Menschheit zu
fungieren, denn beide haben Mängel gezeigt.
Die erste Kategorie hat sich offensichtlich vom religiösen
Gesetz abgewandt. Außerdem ist sie in viele großen Sünden und
zerstörerische Missetaten involviert, was der Fehler von
denjenigen ist, die sich die Führung der Menschen aneignen, nur
um ihre persönlichen Angelegenheiten adäquat zu erledigen.
Eigentlich ist derjenige, der die Führung eines Volkes und in
seinem Namen die Verantwortung für alles übernimmt - obwohl es
sehr schwer ist, solche Menschen zu finden - haftbar für alle
noch so kleinen Angelegenheiten dieser Menschen. Deshalb wird
seine Befragung durch den Allmächtigen viel mehr Zeit in
Anspruch nehmen als die der anderen.
Als ich die Surah al-Qasas (Kapitel: die Geschichten, Nr. 28 des
Heiligen Koran) rezitierte, gelangte ich zu den letzten Versen,
in denen die Geschichte von Korah (Qarun) erzählt wird, dem
schrecklich reichen Israeli, dem Gott, der Allmächtige „so viele
Schatzkammern gab, dass es selbst für einen starken Mann eine
unglaublich große Last war, all die Schlüssel für diese zu
tragen.“ Seine soziale Stellung war so verführerisch, dass sich
viele wünschten, sie seien an seiner Stelle.
Während der Koran die Geschichte von Korah erzählt, sagt er: „So
lebte er weiter, unter seinem Volk, mit dem Stolz seines
weltlichen Glanzes. Diejenigen, dessen Ziel das weltliche Leben
war, sprachen: „Ach hätten wir doch das Gleiche wie Korah. Denn
er ist wahrhaftig ein Herr von großem und gutem Glück.“ Aber
diejenigen, die mit wahrem Wissen beschenkt worden waren,
sprachen: „Schade um euch. Die Belohnung Gottes nach dem Jetzt
ist das Beste für diejenigen, die glauben und rechtschaffen
sind. Aber solch Reichtum sollte keiner erzielen. Gott möge
diejenigen schützen, die unerschütterlich das Gute nicht
aufgeben wollen.“ Dann brachte Gott die Erde dazu, Korah und
sein Haus zu verschlucken und Korah hatte weder die kleinste
Anhängerschaft, die ihm gegen Allah hätte helfen können, noch
konnte er sich selbst verteidigen. Diejenigen, die zuvor seine
Stellung beneideten, sagten am folgenden Tag:
„Es ist in der Tat Allah, der den Reichtum seiner Diener
vergrößert oder einschränkt. Wenn Allah uns gegenüber nicht
gütig gewesen wäre, hätte er die Erde sogar dazu bringen können,
uns zu verschlucken. Diejenigen, die Allah verleugnen, werden
mit Sicherheit nie reich werden.“ (28/79-82)
Die Welt, in der wir leben, ist wirklich nicht so, wie die Welt,
in der Korah lebte, so dass sie es verdient, dass man von seinen
eigenen Prinzipien abweicht, nur um des Heils der Welt willen.
Diejenigen, die sich wünschen, an der Stelle irgendeiner anderen
Person zu sein, die eine machtvolle Stellung hat, werden bald
bemerken, dass Gott, der Allmächtige nur ihr Bestes wollte, als
er sie davor schützte, von so einer machtvollen Position
gefangen zu werden.
Die Menschen der zweiten Kategorie haben in der Tat die
Angelegenheiten ihres Volkes vernachlässigt, worüber eine Hadith
folgendes sagt:
„Der, der seinen Tag beginnt, ohne den Sorgen der Muslime
Aufmerksamkeit zu schenken, ist in Wirklichkeit keiner von
ihnen.“
Außerdem haben die Repräsentanten der zweiten Kategorie ihre
Verantwortung für die Verbreitung des Wortes Gottes und den
Lehren seiner Religion aufgegeben. Diese Verantwortung ist ihnen
auferlegt worden, weil sie genug Wissen und Erfahrung haben, um
diese zu tragen. Und jeder, der dieses Wissen hat, ist
verantwortlich dafür, es zu verbreiten und den anderen zu
übermitteln, wohl wissend, dass es heutzutage die richtigste
vorhandene Möglichkeit ist, Aktivitäten im heiligen Gebiet des
Islam auszuüben.
Dennoch ist das Versagen einer bestimmten Person oder Gruppe
innerhalb seines Verantwortungsbereiches keine Ausrede dafür,
sich zurückzulehnen und auszuruhen, egal wie steinig und
hindernisreich der Weg sein mag.
In dem Spruch, der aufgesagt wird, wenn man den Schrein des
Abu`l-Fadhl al-Abbas besucht, findet man folgende Aussage:
„Ich trage das Zeugnis darüber, dass ihr niemals (von eurer
Pflicht) abschweift und zurückschreckt.“
Gott, der Allmächtige und Erhabene will, dass der
Vermittler-Staat, der uns repräsentiert, so ist. In Ära und Zeit
muss es einen solchen Vermittler-Staat geben, egal, wie groß die
zu machenden Opfer sind, egal wie groß die Hindernisse,
Unterdrückungen, Verdächtigungen und die Frustrationen sind, mit
denen der Vermittler-Staat konfrontiert wird, während er seiner
Aufgabe nachkommt. Bezüglich dieser Faktoren sagt der heilige
Koran:
„Unter den Gläubigen gibt es Menschen, die bezüglich ihres
Abkommen gegenüber Allah ehrlich waren. Einige von ihnen haben
ihr Gelöbnis bis zum Extremsten vollendet. Einige warten noch
immer, aber sie haben nicht im Mindesten ihre Entschlossenheit
geändert.“ (33/23)
In seinem Buch „al-Amali“ schreibt Shaykh Sadouq folgendes: „Zur
Auslegung dieses heiligen Verses:
„Mit Allah ist das abschließende Gespräch. Wenn es sein Wille
gewesen wäre, hätte er euch tatsächlich alle führen können.“
( 6/194)
Es wird berichtet, dass Imam al-Sadiq gesagt haben soll:
„Am Tag der Auferstehung wird der Erhabene seine Diener
einzeln befragen: „Mein Diener, bist du kenntnisreich gewesen?“
Wenn der Diener diese Frage bejaht, so wird Gott zu ihm sagen:
„Es wäre besser gewesen, hättest du dein Wissen in deinem
Verhalten befolgt.“
Wenn der Diener verneint, wird Gott zu ihm sagen: „Du
hättest lernen sollen, so dass du dein Wissen für deine Taten
hättest anwenden können.“ Dies ist das abschließende Gespräch,
das im heiligen Vers gemeint ist.
Die ganze Welt erwartet von euch allen, das heißt von den Irakis
im Allgemeinen und vom Religions-Seminar der heiligen Stadt
Nadschaf im Besonderen, dass ihr ihnen den ursprünglichen Islam
zuführt, der vom heiligen Propheten übermittelt und von Ehl-i
Beyt anerkannt und befolgt wurde. Sie wollen den wahren Islam,
der frei von Verzerrungen, falschen Führungen und falschen
Vorstellungen ist, die dem Islam zugeschrieben worden sind. Ihr
seid nun unter jenen Verantwortungsvollen, denen diese große
Stiftung anvertraut wurde:
„Und deshalb, lasst diejenigen nach etwas streben, die
ehrgeizig sind.“ (83/26)
Die ganze Welt kann den puren und ursprünglichen Islam nur bei
euch finden. Denn ihr seid seine Essenz und sein Ursprung.
Heutzutage sind alle Möglichkeiten für Aktivitäten zugänglich
und ihr könnt mühelos mit der Welt über das Internet
kommunizieren.
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